Kläranlage Unken

Ein Überblick der Kläranlage Unken. Details zu den einzelnen Bereichen werden durch einen Klick auf den gewünschten Marker unterhalb des Luftbildes angezeigt.

Luftbild - Kläranlage Unken

1 Zulauf - Rechengebäude

Die im Abwasser enthaltenen groben Stoffe, wie z.B. Textilreste, Hygieneartikel oder Bioabfälle, werden durch einen Rechen im Rechengebäude entfernt. Dabei beträgt der Stababstand diese Rechens Rechens drei Millimeter. Das so gefilterte Rechengut wird anschließend gewaschen, entwässert und zur Müllbehandlung abtransportiert. Im Rechengebäude ist auch eine Sandwaschanlage installiert. Hier wird Sand, der im Sandfang aus dem Abwasser entfernt wird, gereinigt. 

Rechengebäude

2 Sandfang - Fettabscheider

In diesem Bereich der Kläranlage wird das vorher von Grobstoffen gereinigte Wasser auf ca. 0,3 m/s verlangsamt. Dadurch sinken Sand und andere Schwerstoffe ab und werden in einer Kammer gesammelt. Leichtstoffe wie Fette und Speiseöle schwimmen in einer zweiten Kammer an die in diesem Bereich ruhige Oberfläche. Durch Räumer werden danach beide Stoffe entfernt und zur Sandwaschanlage bzw. zum Faulturm gepumpt.

3 Vorklärbecken

Durch die reduzierte Fließgeschwindigkeit in den beiden Vorklärbecken setzt sich der Primärschlamm am Beckenboden ab und Leichtstoffe steigen an die Oberfläche. Durch einen Räumer wird der Schlamm in die Schlammtrichter geschoben, von wo aus er in den Voreindicker gepumpt wird. Nach der Reduzierung des Wassergehaltes wird der Schlamm im Faulturm weiterbehandelt. Nach der Entfernung des Schlammes ist die mechanische Reinigung abgeschlossen und ca. 25-35 Prozent der gesamten Verunreinigung wurden beseitigt. Danach folgt die biologische Reinigung im Belebungsbecken.

Vorklärbecken

4 Belebungsbecken

Die biologische Reinigung erfolgt nach dem gleichen Schema wie die natürliche Selbstreinigung in den Gewässern, also über Mikroorganismen, welche die im Wasser vorhandenen Schmutzstoffe als Nahrung verwenden („verstoffwechseln“). Um diese Stoffwechselvorgänge in Gang zu halten, benötigen die Mikroorganismen Sauerstoff, welcher in den Flüssen und Seen aus der Luft durch natürliche Vorgänge eingetragen wird (Wellenbewegung, Stromschnellen, Kaskaden, Strudel, etc.) und im Wasser gelöst vorliegt.
In der Kläranlage wird genau dieses Prinzip angewendet. Aus wirtschaftlichen Gründen wird jedoch die Bakterienkonzentration in den sogenannten „Belebungsbecken“ stark erhöht. Ansonsten – bei sehr wenig Bakterien so wie in den natürlichen Gewässern – müssten die Becken unwirtschaftlich groß werden. Der benötigte Sauerstoff wird in den Belebungsbecken mittels Gebläse über Belüfter, die an der Beckensohle angebracht sind, eingeblasen.
Die von den Bakterien als Nahrung aufgenommenen Schmutzstoffe bewirken ein Wachstum der Bakterienmasse. Wenn Bakterien gut gefüttert werden, dann nehmen sie an Körpermasse nicht zu, jedoch teilen sie sich nach einiger Zeit. Das bewirkt eine Erhöhung der Bakterienzahl und somit auch der Bakterienkonzentration. Durch Abpumpen des sogenannten „Überschußschlammes“ hält man in den Belebungsbecken die verfahrenstechnisch optimale Konzentration aufrecht und entfernt gleichzeitig die von den Bakterien aufgenommenen Schmutzstoffe aus dem Abwasser.
Durch diesen Vorgang, der auch das „Belebungsverfahren" genannt wird, wird das Wasser von Verunreinigungen befreit.
Der entnommene Überschußschlamm wird im Schlammbehandlungsteil der Anlage weiter verarbeitet (Details siehe dort).

5 Nachklärbecken

Die Nachklärbecken haben die Aufgabe, das gereinigte Abwasser vom Belebtschlamm zu trennen. Da die Bakterien zum größten Teil schwerer als Wasser sind, sinken sie zu Boden, wenn sie in ein Becken ohne Turbulenz gelangen. Die zu Boden gesunkenen Bakterien werden durch Räumer dem Rücklaufschlammpumpwerk zugeführt, von wo sie über Leitungen wieder zurück in die Belebungsbecken gelangen. Durch diesen Kreislauf ist gewährleistet, daß die Mikroorganismen im System der Kläranlage verbleiben und weiter ihre Arbeit verrichten können.
Das gereinigte Abwasser befindet sich nach Absinken der Bakterien in den obersten Schichten der Nachklärbecken und wird über Ablaufrinnen und in weiterer Folge über einen Ablaufkanal in die Saalach abgeleitet.

6 Rücklaufschlammpumpwerk

Im Rücklaufschlammpumpwerk wird der in den Nachklärbecken abgesetzte Belebtschlamm zurück in die Belebungsbecken gefördert. Auf der VKA Unken ist ein sogenanntes "Schneckenpumpwerk" installiert. Dieses basiert auf dem Prinzip der "Archimedischen Schraube", welches mehrere tausend Jahre alt ist.

7 Faulturm

Im Faulturm wird der Schlamm auf 34 bis 38 °C erwärmt. In 40-50 Tagen durchschnittlicher Aufenthaltszeit ist der Schlamm in ausgefault. Dabei laufen Versäuerungs- und Vergärungsvorgänge ab. Im nachhinein wird dem ausgefaulten Schlamm in einem Nacheindicker durch statische Eindickung Wasser entzogen und er wird im Nassschlammspeicher bis zur Entwässerung gelagert. Im Faulturm entsteht Faulgas, welches sich zu 60 - 65 Prozent aus Methangas (CH4) und zu 40 - 35 Prozent aus CO2 zusammensetzt. Im Faulgas befinden sich auch geringe Anteile an anderen Gasen (z.B. Schwefelwasserstof, …). Methangas ist brennbar und kann daher zur Energiegewinnung verwendet werden.
Der Energiebedarf an Strom und Wärme für die Kläranlage und das Betriebsgebäude kann durch den Betrieb des Blockheizkraftwerkes zu einem Teil selbst gedeckt werden.

8 Eindicker

Der in der Vorklärung angefallene Primärschlamm wird im Voreindicker auf 6 bis 8 Prozent Trockensubstanz statisch eingedickt (=durch die Schwerkraft sinken Teilchen, die schwerer als Wasser sind zu Boden) und in die Faultürme gepumpt.

Im Nacheindicker wird der ausgefaulte Faulschlamm bis zur weiteren Verarbeitung zwischengespeichert und auch noch etwas eingedickt.

Der aus dem Belebungsbecken abgezogene Überschussschlamm wird über eine sogenannte MÜSE (=maschinelle Überschußschlammentwässerung) über ein Seihband und der Zuhilfenahme von Flockungsmitteln ebenfalls auf ca. 6 Prozent eingedickt und direkt in die Faultürme gepumpt.

9 Gasbehälter

Das anfalllende Faulgas wird im Gasbehälter bis zur Verwendung im Blockheizkraftwerk zwischengespeichert.

10 Labor, Warte

Bei den vorhandenen Messstellen werden automatisch alle für die Steuerung der Anlage notwendigen Betriebszustände gemessen. Da die gesetzlichen Vorgaben für die Ablaufwerte nur geringe Toleranzbereiche zulassen, muss sehr exakt gemessen und kontrolliert werden. Folgende Werte werden erhoben: Durchflussmengen, Füllstände, Druck, Temperaturen, Nährstoffgehalte, O2-Gehalt in den Belebungsbecken etc.

Diese Daten werden anschließend über lokale Steuerungssysteme (SPS = Speicherprogramierbare Steuerungen) und eine Datenleitung an den Hauptcomputer weitergegeben. All diese Daten sind am Bildschirmarbeitsplatz und am Bereitschafts-Laptop jederzeit für das zuständige Personal einsehbar. Dadurch wird eine Kontrolle der Betriebsabläufe sichergestellt.

Im Labor werden täglich Schlamm- und Abwasserproben untersucht, um die Messungen zu überprüfen, aber auch um Betriebsführungsentscheidungen zu erarbeiten und zu protokollieren. Diese Daten werden auch an die Gewässeraufsicht des Amtes der Salzburger Landesregierung übermittelt.

Labor - ARA Unken

11 Gasmotorenraum

Im Gasmotorenraum befindet sich das Blockheizkraftwerk ( BHKW) mit seinen Steuerungseinrichtungen. Dieses BHKW ist an sich ein "normaler" Ottomotor (4-Takter), welcher einen Generator antreibt. Die entstehende Abwärme wird durch Wärmetauscher zurückgewonnen und in der Anlage zu Heizzwecken genutzt. Auf diese Weise entstehen aus der zugeführten Energie des Faulgases ca. 1/3 Strom und 2/3 Wärme. Das BHKW hat einen Wirkungsgrad über 90 %.

12 Werkstätte

In der Werkstätte werden die notwendigen Service- und Erhaltungsarbeiten der maschinellen Einrichtungen durchgefüührt.

13 Schlammentwässerung

Die Schlammentwässerung wird mittels einer Siebbandpresse durchgeführt. In dieser Maschine wird der noch flüssige ausgefaulte Faulschlamm (nach dem Aufenthalt im Nacheindicker) zwischen zwei rundumlaufende Seihbänder eingebracht und ausgepresst. In den Seihbändern verbleiben die festen Schlammflocken und das vorhandene Wasser rinnt über die Seihbänder ab, wonach es in die Anlage zurückgeleitet wird. Dadurch wird eine Entwässerung auf 25 - 30 % Trockensubstanz bewerkstelligt.

Nachklärbecken

14 Klärschlammlager

Der entwässerte Schlamm wird zu einem Stapelplatz gepumpt und dort zwischengelagert. Gemäß „Salzburger Bodenschutzgesetz“ ist in Salzburg die Ausbringung von Klärschlamm in die freie Natur untersagt, obwohl er für die Landwirtschaft ein wertvoller Dünger wäre. Der entwässerte Klärschlamm wird daher mittels LKW zu Müllverbrennungsanlagen in andere Bundesländer transportiert, wo er mit dem Hausmüll gemeinsam verbrannt wird. In gepresstem Zustand hat der Klärschlamm ungefähr den Heizwert von Braunkohle.